Yoga Vidya aus Sicht des Vinyasa
Ursprung, Wissen & Energiefluss
Yoga Vidya beschreibt das lebendige Wissen des Yoga – ein Wissen, das Körper, Atem und Bewusstsein miteinander verbindet. Yoga bedeutet in seiner Wortwurzel „das, was zwei verbindet und eins werden lässt“. Yoga Vidya verweist damit auf die Rückkehr zum innersten Selbst, zu jenem göttlichen Kern, der in seiner Natur identisch ist mit dem kosmischen Bewusstsein.
Die Rishis und das Lichtkörper‑Wissen
Der Begriff Veda – wie in Ayurveda – erinnert an das Wissen vom Leben und an die alten vedischen Liederkreise. Dieses ursprüngliche Yoga‑Wissen wurde über Generationen mündlich weitergegeben oder von den Rishis direkt „gesehen“ und „gehört“. Durch ihre yogischen Fähigkeiten konnten sie eine subtile Wissensmatrix im Bewusstsein anzapfen. Dieses Yoga Vidya floss durch sie hindurch und verwandelte ihren Körper in einen goldenen Lichtkörper.
Tantra, Sri Vidya & der Upward‑Flow
Auch die Tantriker und Hatha Yogis des Mittelalters strebten diese Transformation an: den Wandel vom physischen Körper zum Licht‑, Wissens‑ oder Chakrenkörper. In den tantrischen Traditionen ab dem 6. Jahrhundert richtete sich die Praxis darauf, kosmische Energie, Licht und Klang in den feinstofflichen Körper einströmen zu lassen.
Dieser Prozess wiederholte symbolisch den Abstieg des Lebensfunkens in das Körperliche. Später wurde der Fokus umgekehrt: Die Energie sollte wieder aufsteigen – klar, gebündelt, bewusst. Ein Upward‑ und Downward‑Flow, wie er in den großen Chakrensystemen, im Sri Chakra und in der Sri Vidya beschrieben wird.
Vinyasa als Perlenkette der Chakren
Vinyasa bedeutet ursprünglich eine geordnete Abfolge, eine Sequenz von Schritten, in der jeder Schritt eine Transformation darstellt. Ein Vinyasa gleicht einer Perlenkette – jede Perle ein Chakra, jeder Übergang ein Moment von Yoga Vidya, ein Moment von Erkenntnis.
Yoga Vidya in der modernen Hatha‑Vinyasa‑Praxis
Dieses Wissen um die Ursprünge des Yoga kann unsere heutige Hatha‑Vinyasa‑Praxis vertiefen. Es lädt uns ein, an manchen Tagen tiefer in den Körper hineinzufühlen und uns mit dem ursprünglichen Bewusstsein zu verbinden. Die Rishis beschrieben dieses Wissen als sukha – angenehm, fließend, leicht.
Sthira Sukham Asanam: Die Asanapraxis soll stabil und zugleich angenehm sein. Wenn Yoga Vidya „herunterfließt“, wird der Körper weich, durchlässig und entspannt. Blockaden können sich lösen.
In der Asana‑ oder Vinyasa‑Praxis kann dieser Energiefluss als aufsteigend wahrgenommen werden – warm, subtil, freudvoll. Yoga Bhoga: Yoga darf Genuss sein. Yoga Vidya ist damit auch die Praxis, das eigene Yoga angenehmer, freudvoller und subtil ekstatischer werden zu lassen – ein Weg, der Körper, Atem und Bewusstsein in einen lebendigen, fließenden Dialog bringt.